Perle aus der InsolvenzmasseCotesa GmbH: Hightech-Werkstoffe für die LuftfahrtDa die Luftfahrtindustrie die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte ständig steigern möchte, werden immer bessere Strukturwerkstoffe entwickelt. Verbundwerkstoffe wie kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) gewinnen beim Bau von Flugzeugen an Bedeutung. Darüber hinaus gibt es Sandwich- und Wabenstrukturen, Faser-Metall-Laminate und Glasfaserwerkstoffe. Für die Verwendung von Verbundwerkstoffen im Flugzeugbau sprechen das günstige Verhältnis von Festigkeit zu Masse, die Ermüdungs- und Korrosionsbeständigkeit und ihre Formbarkeit. In diesem Markt für Hightech-Werkstoffe bewegt sich die Cotesa GmbH aus Mittweida. Die Sachsen haben sich mit ihren komplexen CFK-Profilen und leichten, mehrdimensionalen Sandwich-Strukturen schon nach wenigen Jahren zu einem leistungsstarken und kompetenten Partner für die Luftfahrtindustrie entwickelt. Komplexe Bauteile für AirbusCotesa entstand 2002 aus dem ein Jahr zuvor in Konkurs gegangenen, breit diversifizierten Maschinenbauer Schübel Engineering. Dem Unternehmer Jörg Hüsken gefielen damals aus der Insolvenzmasse die aus Glasfasern gefertigten Bodenwannen für Flugzeugtoiletten. Er erwarb daraufhin die Sparte Faserverbundstoffe. „Ursprünglich war ich eigentlich mit ganz anderen Erwartungen zur Versteigerung gekommen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Cotesa GmbH rückblickend. Hüsken erhöhte zunächst die Produktion der Fußbodenwannen von ursprünglich rund 250 auf 4.000 Stück pro Jahr und erweiterte das Produktspektrum auf Teile für den Innenausbau von Flugzeugen. „Doch um am Markt bestehen zu können, mussten die überwiegend handgefertigten Erzeugnisse komplexer werden.“ Zum Glück fand der studierte Diplom-Betriebswirt in dem promovierten Ingenieur Udo Berthold einen im Flugzeugbau erfahrenen Mitgesellschafter. Hüsken schulte die Mitarbeiter und ließ schließlich die Manufaktur zertifizieren. Cotesa ist heute noch immer der einzige ostdeutsche Faserverbundhersteller, der das Luftfahrtzertifikat nach DIN EN 9100:2003 besitzt.
Seit etwa vier Jahren liefern die Sachsen mit selbst gefertigten Werkzeugen hergestellte Bauteile für die Serienfertigung in Flugzeugrümpfen. Cotesa produziert nicht nur für das weltgrößte Passagierflugzeug, den Airbus A380, sondern auch für alle anderen Typen des Boeing-Konkurrenten Kunststoffteile für Türen und Toiletten-Bodenwannen. Für bestimmte Bauteile ist Cotesa sogar einziger Lieferant. Zur Bandbreite der in Mittweida produzierten Teile zählen auch bis zu acht Meter lange Kohle/Epoxy-Elemente für Seiten- und Höhenleitwerke. Hüsken betrachtet daher die sich immer mehr verspätende Auslieferung des militärischen Transportflugzeugs A400M mit einer gewissen Sorge: „Schließlich wird die Hälfte aller Elemente für die Seitenleitwerke dieses Flugzeugtyps in unserem Hause hergestellt“, so der Unternehmer. In fünf Jahren an die Börse?Mit ihren technisch anspruchsvollen Teilen aus Kohlefaserverbundstoffen für die Luftfahrtindustrie hat Cotesa 2008 einen Umsatz von 9,05 Mio. Euro und einen Nettogewinn von 538.000 Euro erzielt. Trotz der gegenwärtig herrschenden Luftfahrtkrise soll 2009 das Umsatzniveau des Vorjahres erreicht werden. Das Wachstum der vergangenen Jahre machte einige Finanzierungen erforderlich. So wurde zuletzt mit dem Einstieg der CFH Beteiligungsgesellschaft mbH, einer Tochter der Landesbank Baden-Württemberg mit Sitz in Leipzig, das Eigenkapital auf 1,25 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Erst kürzlich wurde ein Investitionsprogramm in Höhe von rund acht Mio. Euro für den Bau eines neuen Produktionsgebäudes abgeschlossen. Mit Bürgschaften in Höhe von insgesamt 3,8 Mio. Euro sichert das Land Sachsen kurz- und mittelfristige Kredite des Unternehmens ab. Hüskens Wunsch ist es, Cotesa eines Tages an die Börse zu bringen. „Aber erst dann, wenn die Zeit dafür reif ist – vielleicht in fünf Jahren“, sagt er. Um dieses Ziel erreichen zu können, müsse natürlich rechtzeitig über eine weitere Finanzierung durch Venture Capital nachgedacht werden. Den Deutschen Gründerpreis nur knapp verfehltDas Geschäftsmodell der Cotesa GmbH hat nicht nur die Entscheidungsträger der Luftfahrtindustrie, sondern auch die Jury des „Deutschen Gründerpreises 2009“ überzeugt. Zwar verpasste Cotesa bei der Preisverleihung am 30. Juni in Berlin den Sprung auf die höchste Stufe des Siegertreppchens, die Nominierung ist jedoch bereits ein großer Erfolg. In der Kategorie Aufsteiger waren maximal sieben Jahre alte Firmen angetreten, die durch außerordentlich hohes Wachstum auffallen. „Cotesa ist auch als mittelständisches Unternehmen in der Lage, den spezifischen Qualitätsanforderungen der Luftfahrtindustrie zu entsprechen“, begründete die Jury die Nominierung und hob zugleich den Mut und das Durchhaltevermögen der innovativen Gesellschaft hervor. AusblickCotesa muss die Finanzkrise kaum fürchten und kann aus einem reichen Reservoir guter Ideen schöpfen. Das Unternehmen entwickelt sich gerade von einer Manufaktur zu einem modernen Maschinenbetrieb. In Mittweida wird eifrig daran gearbeitet, das aufwendige Herstellungsverfahren zu beschleunigen, um mehr Verbundwerkstoffe schneller und kostengünstiger produzieren zu können. Hüsken: „Aber auch wenn höhere Stückzahlen ganz neue Perspektiven in anderen Industriezweigen eröffnen, werden wir uns weiterhin ausschließlich auf die anspruchsvollste Branche, die Luftfahrt, konzentrieren.“ Da die nächsten Flugzeuggenerationen überwiegend aus Kohlefasern bestehen werden, stehen die Chancen gut, dass die Cotesa GmbH auch weiterhin hochfliegende Pläne schmieden darf. Kurzprofil Cotesa GmbH
Michael Heimrich, redaktion@vc-magazin.de Erschienen in: VentureCapital Magazin „Tech Guide 2009“. |
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Die Cotesa-Geschäftsführer Dipl.-Betriebswirt Jörg Hüsken (li.) und Dr.-Ing. Udo Berthold. Foto: Bärbel Schmidt