Pressestimmen Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) 17.07.2009

Präsenz führt zu Vertrauen

Frühphasenfinanzierer und regionaler Investmentfokus

In der Boomzeit der Venture Capital-Finanzierer haben die Managementgesellschaften der großen Fonds zur Optimierung ihres Dealflows in vielen Regionen Niederlassungen eröffnet. Vorbild hierfür war der im Silicon Valley geltende Grundsatz, nur Investments mit einer „Erreichbarkeit“ von maximal zwei Stunden zu tätigen. Diese regionale Präsenz ist in Deutschland seit 2001 deutlich zurückgegangen, was den Kostensenkungsmaßnahmen der Wagniskapitalgesellschaften geschuldet ist. An der regionalen Ausrichtung von Kapitalgebern besonders der Gründungsfinanzierung und der weiteren frühen Phasen führt aber kein Weg vorbei.

Vorteile für Unternehmensgründer

Grundlage eines optimal auf das junge Unternehmen und seine Gründer ausgerichteten „Coachings“ ist das Schaffen einer Vertrauensbasis zwischen Kapitalgeber und -nehmer; hierbei kommt es wie in allen Bereichen menschlicher Sozialisierung auf das Verständnis zwischen den handelnden Personen an. Dies kann grundsätzlich nur durch regionale Präsenz des Investmentmanagers sichergestellt werden. Ebenso wie das Coaching von jungen Managementteams ist das Nutzen lokaler Kontakte zu Sparringspartnern, Universitäten und Forschungseinrichtungen ein entscheidender Beitrag zum Erfolg des Wagniskapitalfinanzierten Unternehmens. Die Erfahrung zeigt, dass sich Kontakte hinein in diese Einrichtungen wie auch zu lokal ansässigen Unternehmern, die sich gern für junge Gründer engagieren, am ehesten durch ebenfalls lokale Präsenz des Investmentmanagers nachhaltig wirksam initiieren und aufrechterhalten lassen. „Eintagsfliegen“ mit einfliegenden Beratern sind in diesem Bereich kaum sinnvoll und die Kosten unangemessen hoch.

Vorteile für Investoren

Besonders für Privatinvestoren kann der Ansatz, sich in lokal agierenden VC-Fonds zu engagieren, sehr hoch sein. Sie können sich deutlich intensiver mit den einzelnen Investments befassen und Input geben, so dies gewünscht und sinnvoll ist. In der Regel jedoch sind in Venture Capital aktive Privatpersonen unternehmerisch engagiert und können besonders bei jungen Gründern wertvolle Beiträge leisten. Hands-on-Portfoliomanagement wird durch regionale Ausrichtung mindestens begünstigt; von den meisten Investoren in VC-Fonds, insbesondere vermögenden Privatpersonen, wird dies gefordert und muss statuarisch festgeschrieben sein. Regionale Präsenz oder lokaler Investmentfokus erhöhen auf dieser Ebene die Glaubwürdigkeit von VC-Fonds bereits im Fundraising. Die in den 1990er Jahren verfolgte Optimierung des Dealflows wird bei regionaler Präsenz oder lokalem Fokus wieder gewährleistet; diesmal ist sie allerdings die Folge von Vertrauen im Markt, das durch die Präsenz gewonnen werden kann, nicht das rein physische Vorhandensein von Büroräumen mit Latte Macchiato-Automat.

Fazit:

Unberechtigt ist das „Wagniskapital-Handwerk“ in den Strudel der reputationsvernichtenden Finanzkrise geraten. Das Ziel von Venture Capital, nämlich die Unterstützung des Verwirklichens von skalierbaren (und bisweilen riskanten), technologisch orientierten Geschäftsideen mit großem Potenzial, muss wieder deutlich in den Vordergrund gerückt werden, vor allem von den handelnden Personen und Gesellschaften. Eine regionale Ausrichtung ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, Vertrauen im Markt zu schaffen, um auch zukünftig erfolgreich Eigenkapitalfinanzierungen durchführen zu können. Die regionale Ausrichtung darf natürlich nicht als Abkapseln vom globalen Geschehen fehlinterpretiert werden.

Zum Autor

Friedemann Stier
Friedemann Stier
Friedemann Stier ist als Investment Director bei der CFH Beteiligungsgesellschaft in Leipzig mitverantwortlich für Investitionen des Technologiegründerfonds Sachsen – TGFS in Frühphasen von Technologieunternehmen (Seed Capital und Start-up-Finanzierung).





Erschienen in: VentureCapital Magazin 6/2009.
www.vc-magazin.de »

Kontakt

Pressekontakt CFH
Heike Kräker
Tel.:+49 341 220-38801
heike.kraeker@cfh.de »