Pressestimmen Vita 34 – 01.10.2009

Nabelschnurblutbank aus Leipzig will italienischen Markt erobern

Vita 34 wächst im Ausland

Leipzig. Die börsennotierte Nabelschnurblutbank Vita 34 baut ihr Auslandsgeschäft aus. Zusammen mit einem Vertriebspartner wirbt das Unternehmen mit Sitz in Leipzig seit einigen Wochen auch in Italien um Kunden, wie der Vorstand mitteilte. Er kündigte eine weitere Expansion außerhalb Deutschlands an. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir im Ausland mehr Umsatz machen als im Inland", sagte Vorstandsvorsitzender Eberhard F. Lampeter. Vita 34 ist 1997 gegründet worden. Das Unternehmen entnimmt neugeborenen Kindern das Nabelschnurblut, bereitet es auf und lagert es, bis die darin enthaltenen Stammzellen für die Behandlung einer Krankheit - zum Beispiel Leukämie - gebraucht werden. Eltern zahlen dafür einmalig knapp 2000 Euro und jährlich 30 Euro.

Nach Unternehmensangaben sind bislang acht Kinder mit Stammzellen aus ihrem Nabelschnurblut behandelt worden. Der erste Fall liegt mehr als drei Jahre zurück. Lampeter sprach in allen Fällen von guten Ergebnissen. Langfristige Erfahrungen fehlen aber noch. Nach eigenen Angaben ist Vita 34 die führende Nabelschnurblutbank im deutschsprachigen Raum und hat dort einen Marktanteil von 66 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt 107 Mitarbeiter.

Seit der Gründung vor zwölf Jahren bis heute ist das Nabelschnurblut von ungefähr 66 000 Menschen eingelagert worden, sagte Lampeter. Jährlich kämen mittlerweile mehr als 10 000 hinzu - vor allem aus Deutschland, rund ein Drittel aber schon aus dem Ausland: aus Österreich, der Schweiz, aus Spanien, seit Anfang des Jahres aus Slowenien und seit einigen Wochen auch aus Italien. "Wir haben dort einen Vertriebspartner gefunden", erklärte Finanzvorstand Peter Boehnert. Das Unternehmen spreche die Eltern an und akquiriere die Kunden, Vita 34 sei für die Einlagerung und Aufbewahrung des Nabelschnurbluts verantwortlich. Vorbild ist Spanien, wo die Leipziger seit 2005 mit der Firma Secuvita kooperieren. Beide Unternehmen gewinnen den Angaben zufolge mittlerweile jährlich 3000 bis 3500 Kunden hinzu, sagte Lampeter.

Der Vorstand will außerdem noch andere Märkte im Ausland erschließen. "Wir streben weitere Kooperationen nach dem spanischen Muster an", kündigte Lampeter an. Auch Akquisitionen seien möglich. "Wir haben eine erfreuliche Liquiditätssituation", erläuterte Boehnert. Ende Juni war die Unternehmenskasse mit 6,5 Millionen Euro gefüllt, wie aus dem Halbjahresbericht hervorgeht.

Die Leipziger versprechen sich von den ausländischen Märkten gute Wachstumsmöglichkeiten. In anderen Ländern ließen mehr Eltern das Nabelschnurblut ihrer Kinder privat einlagern als in Deutschland, sagte Lampeter. Hierzulande entschieden sich etwa zwei Prozent der Mütter und Väter dafür, in Griechenland dagegen 16 Prozent. Eine Ursache sei, dass die gesetzliche Krankenversicherung in anderen Ländern weniger medizinische Leistungen abdecke, die Menschen deshalb privat mehr bezahlen müssten. "Sie sind gewohnt, für die eigene Vorsorge verantwortlich zu sein."

Das Geschäft in Deutschland soll aber ebenfalls ausgebaut werden. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen dafür verstärkt Gynäkologen und Hebammen über die Möglichkeiten einer Einlagerung des Nabelschnurblutes aufgeklärt, sagte Boehnert. "Je mehr wir informieren, desto höher ist die Einlagerungsquote."

Daher erwartet der Vorstand 2009 und 2010 ein "moderates Umsatzwachstum". 2008 waren knapp 15 Millionen Euro umgesetzt worden. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) betrug minus 2,27 Millionen Euro, unterm Strich blieb ein Verlust von minus 1,7 Millionen Euro. 2009 werde hingegen "mit einer schwarzen Null" abgeschlossen, sagte Boehnert. Auch 2010 strebe das Unternehmen ein "deutlich positives Ergebnis" an. Er bestätigte damit Prognosen vom Jahresanfang.

Zwar sei schwer abzuschätzen, wie sehr sich die Wirtschaftskrise noch auf das Geschäft von Vita 34 auswirke. Die Erfahrung zeige aber, dass die Einlagerungsquote in der Umgebung von Leipzig bis zu vier Prozent erreiche und damit sogar höher sei als in Regionen mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit. Der Bekanntheitsgrad von Vita 34 sei also wichtiger als die berufliche Situation der Eltern, sagte Boehnert. Der Finanzvorstand zeigte sich deshalb optimistisch. "Trotz der Krise werden wir in die schwarzen Zahlen kommen."

Markus Werning

Artikelübernahme mit freundlicher Genehmigung von:
Leipziger Volkszeitung
Stadtausgabe 01.10.2009, S. 6
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