Email aus dem Erzgebirge geht um die WeltWeil Kochtöpfe alleine die 200 Beschäftigten von Omeras nicht ernähren, hat das Emaillierwerk in Lauter Großkunden gesucht – von Mallorca bis Singapur.Lauter. In U-Bahnstationen auf Mallorca, in Singapur und Dubai – rund um den Globus halten Züge und U-Bahnen vor Erzeugnissen aus der Erzgebirgsstadt Lauter. Denn die Wandverkleidungen der Stationen bestehen aus Email – ebenso wie die dazugehörigen Schilder, Lampen und Kunstwerke an Wänden und Decken. Dieses Material sei „perfekt geeignet“, sagt Andreas Huhn, geschäftsführender Gesellschafter der Omeras GmbH in Lauter und Präsident des Unternehmensverbands Sachsenmetall. Huhn hat das Unternehmen 1992 als Oberflächen- und Metallveredlung Raschau (Omeras) gegründet und mit inzwischen 200 Beschäftigten als weltweiten Marktführer beim Einsatz von Email in der Bauindustrie und Architektur etabliert. Konkurrenten beherrschen die Technologie nicht so gut, sagt der Firmenchef. So kann Omeras beispielsweise großformatige Künstler- und Siebdruckmotive in die Paneele einfügen. Bald wird Omeras im spanischen Saragossa eine U-Bahnstation mit dem Namen „Goya“ gestalten. Laut Huhn hält Email Jahrzehnte – und ist „graffittisicher“. In Berlin werden unerwünschte Malereien an Omeras-Wänden mit Nitroverdünnung entfernt. Österreich hat Email für Alpentunnel bestellt. Damit müssen die Tunnel nicht mehr alle zwei bis drei Jahre gesperrt werden, um die durch Abgase und Feuchtigkeit beschädigten Wände neu zu streichen. Warum entscheiden sich dann nicht viel mehr Bauherren für den Einsatz von Email? „Aus Kostengründen“, sagt Huhn, „wo Maut kassiert wird, geht es.“ Email ist etwa dreimal so teuer wie Beton. Die Herstellung benötigt viel Energie, erläutert Huhn in der Produktion. Dort schweben die vorbereiteten Metall-Platten wie von Geisterhand gezogen durch die Werkhalle, bis sie in einem langgestreckten Ofen verschwinden. Darin wird bei mehr als 800 Grad Celsius die glasartige Schicht auf das Metall aufgebrannt. Wenn die Teile herauskommen, haben sie auf einer Seite perfekt glatt-weiße Oberflächen – sie sind emailliert. So wie früher die bunten Töpfe und Pfannen, die wohl jede Hausfrau zu Hause hatte. In Lauter wurde schon vor fast 175 Jahren Metall verarbeitet und anschließend emailliert. Zu DDR-Zeiten waren es unter dem Namen „Schwerter-Email“ vorwiegend Haushaltsartikel. Inzwischen ist der Anteil der Töpfe und Pfannen auf sechs bis sieben Prozent gesunken, obwohl Omeras die Marken „ Geithainer“ und „Kochstar“ aus der Insolvenz erwarb. „Wir haben aber nach der Wende schnell festgestellt, dass wir damit nicht überleben würden“, sagt Huhn, der mit Partnern Eigentümer der Firma ist. Seit Juli hat er einen neuen kaufmännischen Direktor ins Unternehmen geholt. Dirk Lange plant, ebenfalls Anteile zu erwerben. Heute wird das Geschäft der Omeras vor allem von Paneelen für hinterlüftete Fassaden geprägt. Dazu zählen auch Shoppingcenter in Dubai und Hongkong. Da dieses Projektgeschäft den Jahresumsatz zwischen 15 und 20 Millionen Euro schwanken lässt, finden die Erzgebirger neue Einsatzfelder – Bauteile für Silos in der Landwirtschaft und Behälter zur Wasserentsalzung. Dabei wollen sich die Erzgebirger mit einer Dresdner Firma zusammen tun, um künftig Wasser-Projekte aus einer Hand anzubieten. Von Brigitte Pfüller
Erschienen in der Sächsische Zeitung |
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