Pressestimmen Novaled 30.08.2011

„Glühlampen sind einfach ineffizient“

Jan Blochwitz-Nimoth, Forschungschef bei Novaled, ist für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Ein SZ-Gespräch, wie uns in Zukunft ein Licht aufgeht.

Viele Zukunftstechnologien basieren auf kristallinen Halbleitern aus Silizium, das aufwendig und teuer verarbeitet werden muss. Der Dresdner Physiker Jan Blochwitz-Nimoth entwickelte mit zwei anderen Forschern alternative Materialien aus Kunststoff, die Leuchtdioden und Solarzellen preiswerter und flexibler machen. Dafür ist das Team für den diesjährigen Zukunftspreis des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Blochwitz-Nimoth ist Forschungschef der Novaled AG, die weltweit führend ist bei der Entwicklung und Vermarktung energiesparender organischer Leuchtdioden (Oleds). Das sind Halbleiter auf Kohlenstoffbasis. Sie geben das Licht flächig ab, nicht punktförmig wie Glühlampen, und gelten als Lichtquellen der Zukunft.

Herr Blochwitz-Nimoth, was würde der Deutsche Zukunftspreis für Sie persönlich bedeuten?
Der Zukunftspreis ist ein persönlicher Preis, nicht für Novaled. Das ist ein Unterschied. Er bedeutet für mich Motivation für die eigene Arbeit. Und natürlich schwingt auch Freude über die Nominierung mit. 

Die Deutschen hamstern derzeit Glühlampen. Warum ist das unnötig. Was können Oleds besser?
Glühlampen sind einfach ineffizient, Oleds dagegen sehr leistungseffizient. Sie brauchen sehr wenig Energie, um Licht zu erzeugen. Energiesparlampen haben noch andere Nachteile wie die Farbwiedergabe, mit der viele Verbraucher nicht zufrieden sind - etwa beim shoppen. Kauft man einen vermeintlich dunkelblauen Pulli, sieht der bei Tageslicht ganz anders aus. Das Oled-Licht ist dagegen angenehm und natürlich. Der Vorteil gegenüber Energiesparlampen ist auch, dass die Oleds keine giftigen Materialien enthalten. Sie sind hauchdünn und brauchen sehr wenig Material pro Quadratmeter, um viel Licht zu erzeugen. Das ist eine sehr schöne Technologie, wenn mit wenig Einsatz große Effekte erzielt werden können.

Diese Woche beginnt die IFA in Berlin. Können die Verbraucher dort die Technologie von Novaled selbst erleben?
Wir sind Material- und Technologielieferanten, fertigen also selbst keine Produkte. Aber zu unseren Kunden gehören große Displayhersteller aus Asien, die sicher auf der IFA sind. Im TV-Bereich gibt es noch nicht so viel. Aber LG hat für die Olympischen Spiele nächstes Jahr Oled-Fernseher angekündigt. Wenn der Verbraucher Oleds sucht, dann findet er sie in Smartphones etwa von Samsung oder Nokia. Wir sind bei Oled-Smartphones gut vertreten.Dürfen aber nicht im Detail verraten, wo.

Kann sich der Verbraucher Oled-Produkte leisten? Vor einem Jahr kostete ein zehn Zentimeter langes Oled-Quadrat 1000 Euro.
Die Preise sinken schon. Gegenwärtig haben kommerziell erhältliche Oleds eine Fläche von 50 Quadratzentimeter und kosten 200 Euro pro Stück je nach Hersteller. Oled als Displaytechnologie ist jetzt schon ein großer Markt. Da fallen durch die Verwendung von Oleds zehn Prozent höhere Kosten in der Produktion an. Ein Smartphone besteht aber nicht nur aus dem Display, sodass sich diese höheren Kosten gut verstecken lassen. Für Fernsehbildschirme müssen erst noch größere Produktionskapazitäten aufgebaut werden, damit die Kosten sinken. Man geht davon aus, dass der Preis in der Größenordnung von LCDFernsehern liegen wird. Langfristig lassen sich mit der Oled-Technologie günstigere Fertigungspreise erreichen als mit der LCD-Technologie.

Wie sind die Steigerungsraten für die Oled-Produktion?
Bei Displays hat sich die Produktion in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht und wird sich im kommenden Jahr noch einmal verdoppeln. Im Lichtbereich geht bei Osram in diesen Tagen eine Pilotlinie an den Start. Bei Philips ist sie schon in Betrieb. Weitere stehen kurz davor. Die Kapazität wird sich verzehnfachen,weil wir aber bislang auch kaum Produktion hatten.

Novaled ist Weltmarktführer. Wie schwer ist es, diese Marktführerschaft zu verteidigen?
Wir zählen uns nur zu den Weltmarktführern im Bereich der sehr energiesparenden, langlebigen Oleds. Da sind wir auch vom Umsatz her das größte Unternehmen mit stetigem Wachstumstrend. Im letzten Jahr betrug er 11,7 Millionen Euro - knapp die Hälfte mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr peilen wir gut 17 Millionen Euro an. Dieser Erfolg ist toll, denn unsere Technologie rief viel Skepsis hervor.

Worin bestand die Skepsis?
In Zweifeln, ob man damit überhaupt in der Produktion bestehen kann. Ob man eine lange Lebensdauer der Produkte erreichen kann. Mit diesen Zweifeln mussten wir damals als Gründerteam, das jetzt nominiert wurde, kämpfen. Der Gegenwind an der Universität war schon sehr stark. Aber wir haben gezeigt, dass es geht. Das ruft Nachahmer und Neider hervor. Deshalb müssen wir immer einen Schritt voraus sein. Der Zukunftspreis wäre ein guter Motivationsschub. Man kann sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Der Zukunftspreis ist auch ein Gründerpreis. Wie ist das Gründerklima in Sachsen?
Sehr positiv. Die sächsische Landesregierung und die Förderinstitutionen sind sehr bewusst auf High-tech-Produkte und Innovationen konzentriert. Das Umfeld für Firmen wie Novaled ist da ganz hervorragend.

Findet Novaled alle Spezialisten, die die Firma braucht?
Bisher ja. Wir haben mit Dresden einen sehr guten Standort. Wenn jemand umziehen will, dann ist Dresden eine attraktive Stadt.  Unsere 115 Mitarbeiter sind eine gemischte Mannschaft von elf Nationalitäten aus der ganzen Welt. Wir haben hochqualifizierte Spezialisten, aber auch Operatoren und Chemielaboranten. Langfristig wird es auch für uns eng mit Fachkräften werden. Deshalb unterstützen wir den Masterstudiengang Photonik in Jena und in Karlsruhe. Wir müssen junge Leute mehr für unsere Technologie begeistern. Da wäre der Zukunftspreis mit seiner Intention genau richtig. Denn diese Begeisterung muss uns noch besser gelingen.

Das Gespräch führte Nora Miethke.

Erschienen in der Sächsische Zeitung am 30.08.2011
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