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BVK veröffentlicht Jahresstatistik 2022

CFH

16. März 2023

Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) veröffentlicht heute die vorläufige Statistik zum deutschen Beteiligungskapitalmarkt 2022. In einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld erreichten die Investitionen ein Volumen von Mrd.€ 13,9, wobei alle Marktsegmente Investitionsrückgänge hinnehmen mussten.

Die Statistik finden Sie hier. Einige Punkte jedoch herausgegriffen:

Private Equity in Deutschland:

  • Mehr als 450 Beteiligungsgesellschaften.
  • Fast 1.000 Unternehmen werden Jahr für Jahr finanziert.
  • Aktuell haben die Beteiligungsgesellschaften mehr als 5.500 Portfoliounternehmen.
  • 2022 wurden Mrd.€ 13,9 investiert, 2018 bis 2022 gesamt Mrd.€ 77
  • In den Portfoliounternehmen sind aktuell 1,46 Millionen Beschäftigte und es werden Mrd.€ 285 Umsätze erzielt.

 

Der BVK schreibt in seiner Pressemitteilung zur Statistik:

„Der deutsche Beteiligungsmarkt konnte sich im vergangenen Jahr nicht dem gesamtwirtschaftlich schwierigen Umfeld entziehen. So widerstandsfähig und robust wie er ist, trotzdem haben Konjunktursorgen, Zinswende und geopolitische Krisen die Beteiligungsgesellschaften und ihre Portfoliounternehmen belastet. Insgesamt investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland 13,9 Mrd. € und unterstützten Start-ups und Mittelständler mit Kapital in dieser herausfordernden Zeit“, fasst Frank Hüther, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Beteiligungskapital (BVK) und Geschäftsführer der Abacus alpha GmbH, die heute veröffentlichte vorläufige Statistik für den deutschen Private Equity und Venture Capital-Markt zusammen.

Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies zwar einen Investitionsrückgang um 29 Prozent (2021: 19,6 Mrd. €). 2019 bis 2021 waren jedoch mit Blick auf die Investitionen sehr erfolgreiche Jahre mit einem herausragenden Rekordjahr 2021. In allen Marktsegmenten (Venture Capital, Buy-Outs, Wachstum/Minderheitsbeteiligungen) blieb das Investitionsniveau 2022 unter dem Vorjahreswert. Das Investitionsniveau der Jahre 2017/2018 konnte jedoch übertroffen werden. In Summe wurden fast 900 Unternehmen im Jahresverlauf mit Beteiligungskapital finanziert.

Venture Capital: Zweigeteiltes Bild

Die Venture Capital-Investitionen von Beteiligungsgesellschaften erreichten 3,4 Mrd. € und gingen damit im Vergleich zum historischen Rekordjahr 2021 (4,3 Mrd. €) um 22 Prozent zurück. Trotzdem war 2022 das bisher zweitbeste Investitionsjahr. Ebenso wurde der Durchschnitt der letzten fünf Jahre deutlich übertroffen. Auch interessant: In der Frühphase (Seed, Start-up) sind die Investitionen sogar gestiegen, was allerdings durch den Rückgang bei Later Stage-Venture Capital überkompensiert wurde.

„Nach dem herausragenden Jahr 2021 hat sich der deutsche Venture Capital-Markt 2022 recht robust gezeigt. Der Investitionsrückgang ist auf die Later Stage-Phase zurückzuführen, wo vor allem internationale VCs etwa aus den USA deutlich weniger investiert haben und deshalb auch die Anzahl sehr großer Finanzierungsrunden gesunken ist“, erläutert Mark Schmitz, stellvertretender BVK-Vorstandssprecher und Vorstand der equation AG.

Trotz des gesamtwirtschaftlichen Gegenwinds konnten auch 2022 einige Finanzierungsrunden im dreistelligen Bereich erfolgreich geschlossen werden wie zum Beispiel durch Trade Republic, Personio, Taxfix, Celonis, Wefox, Razor Group, 1Komma5 oder Forto. Hier haben Beteiligungsgesellschaften substanziell zusammen mit anderen Investoren investiert. Insgesamt 625 Start-ups und junge Unternehmen und damit 71 Prozent aller im Jahresverlauf mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen erhielten damit Venture Capital. „Der deutsche Venture-Capital-Markt und damit die Finanzierungsmöglichkeiten für deutsche Start-ups und junge Wachstumsunternehmen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. 2022 hat gezeigt, wie resilient der Markt auch gegenüber Krisen geworden ist“, beobachtet Schmitz. „Aber das hiesige Ökosystem ist weiterhin sehr stark von internationalen VC-Gebern abhängig ist. Diese Abhängigkeit gilt es durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren, um auf Augenhöhe im internationalen Wettbewerb zu bestehen“.

Buy-Outs: Rückgang nach Rekordjahren

Die Buy-Out-Investitionen summierten sich 2022 auf 7,9 Mrd. €. Das Niveau der Jahre 2019–2021 mit jeweils mehr als 11 Mrd. € wurde damit um rund 30 Prozent verfehlt.

„Mit Beginn des Ukraine-Kriegs zeigten sich erste Bremsspuren im Markt. Rezessionssorgen, unsichere Geschäftsaussichten und Zinserhöhungen belasten das Buy-Out-Geschäft“, bewertet Hüther die Situation. „Transaktionsprozesse wurden komplexer und langwieriger. Gleichzeitig verfügen viele, nicht nur internationale Gesellschaften über gut gefüllte Fonds und suchen nach attraktiven Investitionsmöglichkeiten.“ Im Bereich der Buy-Out-Investitionen können einzelne Transaktionen die Statistiken erheblich beeinflussen. Es gab 2022 einige hervorzuhebende Transaktionen. Zu den größten angekündigten bzw. bereits abgeschlossenen gehören Aareal Bank, Lanxess High-Performance Materials oder GfK sowie im Technologie-/Healthcarebereich Corden Pharma, Veonet, Contabo, dogado oder Cloudflight.

Ebenfalls gesunken sind die Investitionen im Bereich Minderheitsbeteiligungen (Wachstums‑, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) bei mittelständischen Unternehmen und gereiften, ehemaligen Start-ups. Diese lagen mit 2,6 Mrd. € deutlich unter dem Rekordwert des Vorjahres (4,2 Mrd. €), aber über dem Niveau von 2020

Fundraising-Rekord dank Venture Capital

Deutsche Beteiligungsgesellschaften konnten 2022 so viel neues Kapital einwerben wie noch nie. Das Fundraising erreichte mit 6,5 Mrd. € einen Rekordwert und damit 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Entscheidender Grund: Venture Capital-Fonds konnten mit 4,8 Mrd. € nahezu fünf Mal so viel Kapital wie 2021 (1,0 Mrd. €) einsammeln. Dagegen mussten Buy-Out-Fonds nach dem Erfolgsjahr 2021 (3,8 Mrd. €) deutliche Einbußen hinnehmen und warben nur 1,0 Mrd. € ein. „Im letzten Jahr wurden so viele Venture Capital-Fonds erfolgreich geschlossen wie noch nie. Die Manager nutzten 2021 die nahezu euphorische Marktstimmung und legten neue Fonds auf, was sich dann 2022 in diesem erfreulichen Fundraising-Ergebnis widerspiegelt. Institutionelle Investoren scheinen die Anlageklasse Venture Capital für sich zu entdecken“, so Schmitz zu den Hintergründen. Hüther ergänzt: „Im Buy-Out-Bereich hatten viele Beteiligungsgesellschaften bereits in den Jahren zuvor neue Fonds geschlossen, so dass weniger Manager im Fundraising waren. Zudem schlugen sich hier die gesamtwirtschaftliche Situation und der volatile Kapitalmarkt stärker nieder.“

Ausblick auf 2023

„Es bleibt abzuwarten wie sich die geopolitische Situation aber auch Konjunktur und Zinspolitik entwickeln. Hier können weitere Belastungen warten, denen sich unsere Branche tief verwurzelt in der Gesamtwirtschaft nicht entziehen kann“, blickt Schmitz voraus. Es zeichnet Beteiligungsgesellschaften aber auch aus, die Chancen einer solchen Situation zu nutzen.“ Zur aktuellen Diskussion über den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank ergänzt er: „Auslöser der Krise waren nicht das Start-Up- und VC-Geschäft der Bank, sondern ihre Refinanzierungsprobleme und unzureichendes Risikomanagement. Die nun eingeleiteten Maßnahmen der Aufsichtsbehörden in den USA, UK und auch Deutschland haben effektiv gewirkt und die Situation beruhigt. Die langfristigen Auswirkungen speziell in den USA und Großbritannien, wo die Bank ein wichtiger Eckpfeiler der Branche war, sind noch nicht abzusehen. Der mittelfristige Schaden für das vergleichsweise weniger stark betroffene hiesige Ökosystem ist noch unklar. Es zeigt sich einmal mehr, dass eine starke europäische Finanzierungslandschaft unabdingbar für die souveräne Entwicklung unserer Technologiebranche ist.

Quelle: BVK-Jahresstatistik 2022 — Pressemitteilung, Newsletter vom 16.03.2023

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